Mi 9 I 2019 Baarburg 10:00

 

Unten in der Ebene hat der Regen die letzten Schneereste zum Verschwinden gebracht. Auf der Baarburg hat es bis etwa vor einer Stunde noch nass geschneit. Hier oben ist auch der Schnee von letzter Woche nicht geschmolzen & mittlerweile ist die Schneedecke hier an offenen Stellen bis zu 15 cm hoch.

Am Wanderwegweiser beim Waldeingang steht ein Wandergruppe & studiert eine Karte. Kurz darauf kommen mir drei weitere 3er- & 4er-Gruppen entgegen, auch sie mit einer Karte bewaffnet.

Die Tierspuren der letzten Nacht sind frisch eingeschneit & nur schlecht identifizierbar. Eindeutig ein Dachs, der hier jede Nacht seine Runde macht. Ein Fuchs hat beim grossen Fuchsbau, der seit Jahren unbewohnt ist, alle drei Eingängen kurz inspiziert & ist weiter gegangen.

Es ist faszinierend & schön, wie der frische Schnee Formen verbirgt, hervorhebt, zeichnet & malt.

Ein Auto der Korporation Baar fährt vorbei.

1   2379

1986 habe ich damit begonnen, heute mache ich den 2379. Strich auf den Balken im Unterstand, setze zu einem neuen Jahr an.

Wie ich im Unterstand sitze & in mein Notizbuch schreibe, kommt ein Mann in einer grell orangen Jacke herbei, schaut sich die Aussicht an & fragt mich, ob ich einen Orientierungslaufposten führe. Ich sei ein gewöhnlich Spaziergänger, antworte ich.

Sa 12 I 2019 Baarburg mit Irena 10:15

In der Nacht hat es nochmals geschneit. Hier oben liegen bis dreissig Zentimeter Schnee. Der steile Aufstieg durch den hohen Schnee ist zudem rutschig, da die nasse Erde darunter nicht gefroren ist.

Es hat viele Tierspuren, die zum Teil noch recht frisch sind. Der Dachs hat wieder seine nächtliche Runde auf dem Pfad am Plateaurand gemacht. Wiederum hat ein Fuchs den grossen verlassenen Bau inspiziert, diesmal allerdings nur bei zwei der drei Eingänge. An einigen Orten haben Rehe Brombeerblätter freigescharrt & gefressen.

Eine Eibe, vielleicht etwa acht Meter hoch, wird durch den Schnee im Hintergrund hervorgehoben & zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. Bis vor einigen Jahren stand daneben eine zweite, ähnlich grosse Eibe. Ein weiblicher & ein männlicher Baum – ein schönes Paar. Leider wurde einer der beiden bei einem Sturm von einem umgerissenen grossen Baum geknickt.

2    2380

 

Sa 19 I 2019 Baarburg mit Irena 11:00

 

Es ist einige Grad unter Null. Die Sonne scheint blass durch einen dünnen Wolkenschleier. Der Boden ist hart gefroren, die verbliebene Schneedecke knirscht harsch unter den Füssen.

Es hat viele Tierspuren im Schnee. Manche erzählen kleine Geschichten. Ein Dachs ist längs eines liegenden Baumstamms balanciert & von einem Baumstumpf mit einem 1,5-Meter-Sprung im Schnee gelandet, er hat an vielen Stellen etwas abseits vom Pfad Schnee & Laub aufgescharrt.
Eine Gemse hat sich mit den Vorderläufen auf einen Stumpf aufgestützt, um am untersten Ast einer Eibe Nadeln zu fressen. Gemsen sind wohl wie Rehe immun gegen ihr Gift.

3   2381

Am Wellblechdach des Unterstands hängt eine Reihe von grossen Eiszapfen.

Schnee & Eis zeichnen Ornamente & Bilder auf den Waldboden.

So 27 I 2019 Baarburg 10:45

 

An besonnten Stellen & unter hohen Fichten ist der Schnee weg. Die verbliebene dünne Schneeschicht ist über Nacht gefroren & knirscht unter den Sohlen. Beim Aufstieg beginnt es zu regnen. Oben auf dem Plateau fällt Schnee. Ich durchstosse sozusagen die Schneegrenze. Aber später regnet es auch hier oben. Aber immer nur kurz & nie heftig.

Im Schnee eine stark blutbefleckte Vertiefung. Im Umkreis von einem Meter Blutspritzer. Den Spuren nach hat hier eine Krähe eine Maus gefressen.

Eine Gemse hat den Eingang der Geocache-Höhle inspiziert. Ein Fuchs hat einen der drei Eingänge zum verlassenen Fuchsbau aufgescharrt.

Am Rand des dichten Jungwalds im Plateauzentrum hat es frische Hirschspuren.

4   2382

Bis vor zehn Jahren wären Gemsen & Hirsche hier am Rand des Mittellands noch eine Sensation gewesen. Heute ist das schon beinahe selbstverständlich.

An der Innenwand des Unterstands hat jemand unter dem orangen stilisierten Auge mit dem Namen Xiana geschrieben War mal Nutte.

Auf dem Schnee liegt ein Rindenstück mit einem schönen Bouquet von zwei verschiedenen Flechten & Moos.

Die Eiszapfen am Wellblechdach des Unterstands sind weggeschmolzen. Aber an schattigen Orten im Nagelfluhfels des Steilhangs hängen sie noch. Am Abend soll es wieder schneien.
Der Frost der letzten Tage hat an der Steilwand ein grosses Stück Nagelfluh weggsprengt. Wie ich etwas näher schauen will, lösen sich über mir weitere Steine. Es ist gefährlich im Moment.

Mo 4 II 2019 Baarburg 10:30

 

Vorletzte Nacht & gestern den ganzen Tag hat es geschneit. Entsprechend hoch ist der Schnee, gut 30 Zentimeter. Die Temperatur ist knapp unter Null.

Um den Bergsockel herum hat zum Glück schon jemand vorgespurt. Aber hinauf zum Plateau ist seit Samstag niemand mehr gegangen, so dass ich mühsam durch den hohen Schnee hoch stapfen muss.

Im Tal scheint die Sonne, aber das Plateau bleibt in einen Nebelrest gehüllt, der langsam dünner wird.

Manchmal löst sich ein Fuder Schnee von einer Baumkrone & kracht auf den Boden. Aber mit etwas Glück kann ich jeweils ausweichen.

5   2383

Auf dem Rückweg kommt mir eine Schar Kinder entgegen. Eine Kindergartenklasse geniesst den seltenen Schnee.

So 10 II 2019 Baarburg 10:45

Der Regen der letzten Woche & der Föhn, der für die acht Grad Wärme verantwortlich ist, haben die Schneedecke dünn & kompakt werden lassen. Ein eng gewirktes Muster von Nadeln hebt sich markant ab vom weissen Boden.

Auf den Bäumen & Hecken liegt kein Schnee mehr & ihre schwarze Silhouetten akzentuieren die weisse Landschaft um die Baarburg herum markant.

6   2384

Auf allen Seiten des Bergs hat es deutliche Hirschspuren. Ein einzelnes Tier, wohl männlich.

Unter dem Titel „Wie Gold in der Baarburg entdeckt wurde“ ist in der Neuen Luzerner Zeitung ein Text über die sagenhaften Goldfunde auf der Baarburg erschienen (siehe Materialien). Auf der Illustration die dunkle Silhouette der Baarburg im Hintergrund.

 

So 17 II 2019 Baarburg 10:30

Schon bei den (immer noch eingeschneiten) Teichen beim Waldeingang treffe ich Martin Romer. Wir gehen ein Stück zusammen, machmal eigene Wege, dann wieder zusammen.

Er hat wieder mal drei Hirsche gesehen. Ich erzähle ihm von der seit Jahren abgestorbenen Buche mit den auffällig nach oben gebogenen Ästen, (die ich wegen ihrer eigentümlichen Schönheit auch einmal fotografierte), & die bei der letzten Fällaktion völlig unnötigerweise auch gefällt worden ist, obwohl sie abseits von allen Wegen niemanden gefährdete.

An schattigen Orten & offenen Flächen hat es noch Schnee, harsch gefroren von der letzten Frostnacht. Am Nachmittag soll es bis 16 Grad werden. Die noch tief stehende Sonne bringt mit ihrem gelben Licht den Wald zum Leuchten.

Im Schnee vor dem verlassenen Fuchsbau die Spur eines Dachses, der alle drei Höhleneingänge untersucht hat.

7   2385

Am Bergsockel am besonnten Waldstrassenrand der erste Huflattich des Jahres. Für mich jeweils das erste Frühlingszeichen. Mehr als zwei Wochen früher als letztes Jahr — damals war es am 4. März. Aber 2016 war es noch früher, bereits am 7. Februar. Das alles mit einer Unschärfe von bis zu sieben Tagen, da ich nur etwa jede Wochen einmal hier bin.

 

Mo 25 II 2019 Baarburg mit Irena 10:45

Nach einer Frostnacht blauer Himmel & strahlende Sonne. Das ist nun seit Tagen so. Als Folge ist der Laubteppich auf dem Waldboden trocken & raschelt herrlich unter den Füssen.

8 2386

Auf die Bank vor dem Unterstand hat jemand etwas Sesam gestreut.

Der kommende Frühling sammelt die Sonnenkraft auf dem Holz von Baumstämmen und Wurzeln, auf dem falben Blätterteppich. (Irena)

Noch immer hat es einige Schneereste. Einer zeichnet einen belaubten Apfelbaum auf den braunen Winterboden.

Wir finden zwei stark verästelte Mistelzweige, die der Schnee oder ein Sturm von einem Baum gerissen hat. Der eine hat noch grüne Blätter, der andere ist blätterlos, faszinierend mit seinem Farbenspiel vom Dunkelgrün des daumendicken Stamms bis zum Schwefelgelb der äussersten Ästchen. Auf einem dieser schwefelgelben Ästchen sitzt die erste Zecke des Jahres.

 

So 3 III 2019 Baarburg mit Irena 11:00

 

Beim Steilaufstieg hat der Frost einen Nagelfluhblock, einen guten Kubikmeter, aus der Felswand gesprengt. Das geschieht immer wieder in kalten Wintern. So erodiert der Berg nach & nach.

Es hat einige neue Einträge im Geocache-Logbuch:

18.12.18 Harz & Soib
18.12.18 R100
18.12.18 Swissvoli

30.12.18 MCFLURY

1.1.19 SOROTAIUS

24.2.19 Adel

Auf einer der Bänke neben dem Unterstand sitzt ein älteres englisch sprechendes Paar & geniesst die Aussicht gegen den oben noch verschneiten Zugerberg & die Alpen.

9 2387

Mäusebussarde ziehen ihre Runden über den Abhängen der Baarburg und stossen ihre fast kläglich anmutenden Schreie aus. Ein Motocrosstöff lässt seinen Motor brummen und aufheulen, dazu von der Ferne Kirchenglocken: Zivilisationssplitter. Flugzeugs. Ausflügler allenthalben. (Irena)

Der Pestwurz blüht prächtig. Ein weiterer Schritt hin zum Frühling. Hirschzungen leuchten grün. Wir sammeln Bärlauch.

Zufällig bin ich auf einen Zeitungsartikel von 2014 über Höhlen an der Baarburg gestossen (siehe Materialien). Der Höhlenforscher Oliver Knab hat hier ganze sieben Höhlen mit Tiefen zwischen drei & 37 Metern gefunden. Entstanden seien diese am Ende der letzten Eiszeit vor 22’ bis 12’000 Jahren. Mit diesen vielen Höhlen haben die Sagen von Goldfunden zumindest einen realen Kern.

Di 12 III 2019 Baarburg mit Irena 11:45

Blauer Himmel mit aufziehenden Wolken. An schattigen Orten hat es noch einen Hauch Schnee von gestern. Es ist kühl. Der Sturm hat einige Äste heruntergerissen, ist aber bis auf ein kleines Windchen abgeflaut. Das Licht ist frühlingshaft weich.

In den Teichen beim Waldeingang sehen wir Molche, Kröten & Frösche. Am Rand schwimmen einige Laichteppiche. Hell oder dunkel je nach Reifegrad.

10 2388

Hie und da strecken die ersten Schösslinge ihre hellgrünen Keimblätter der Sonne entgegen. (Irena)

 

So 17 III 2019 Baarburg mit Irena 10:45

Die Baarburg liegt am Rand eines Föhngebiets mit blauem Himmel & strahlender Sonne. Manchmal zieht sich der Föhn etwas zurück, helle Wolken ziehen auf, der Wind dreht & wird kühler. Gegen Abend soll eine Kaltfront Schnee bringen bis in die Niederungen.

In einem der Teiche schwimmt neben dem Laichteppich ein leerer Hundekotsack. In allen drei Teichen ist das Wasser trüb von aufgewühltem Grund.

11 2389

Jetzt um 12 Uhr gewinnt gerade der Föhn wieder die Oberhand und die Sonne heizt die Bank vor dem Unterstand schön auf. (Irena)

Da das Unterholz noch kahl ist & die Brombeerranken vom Schnee niedergedrückt, kommen die verschiedenen Asthaufen, die man im Holzschlaggebiet aufgeschichtet hat, markant zur Erscheinung. Darunter hat es einige sehr schöne Exemplare. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sie mit der Zeit überwachsen werden, vielleicht von Tieren bewohnt, um schliesslich langsam zu schwinden.

 

So 24 III 2019 Baarburg 11:15

Ein warmer, sonniger Tag mit wenig Wind. Trotz den bleichen Spätwinterfarben im Wald ist die Luft schon beinahe sommerlich.

In den Teichen zwei kleine Molche & zwei Frösche. Die Laichteppiche haben sich kaum verändert.

Beim Waldeingang ein Warnsignal. Beidseits der Waldstrasse sind einige Bäume gefällt worden. Vor allem Eschen, die ja zum grössten Teil an der Eschenwelke erkrankt sind.

Beim Unterstand sitzen drei Frauen um ein Lagerfeuer. Ich setzte mich ausser Sichtweite auf die Bank vor dem Unterstand. Ich höre, dass etwas vorgelesen wird. Begleitet von einer Handtrommel singt jemand ein Lied in einer exotischen Sprache. Dann singen alle drei mit Gitarrenbegleitung. Am Fuss einer grossen Buche liegen auf einer gelben Decke Osterglocken & farbige Ostereier, ringsum brennen einige Kerzen.

12   2390

Auf dem Plateau sind in den letzten Wochen wieder etwa zwei Dutzend Bäume gefällt worden. Bis vor einigen Jahren war hier oben noch fast durchgehend dunkler Wald. Der Sturm Lothar hatte um die Jahrtausendwende eine erste Schneise vom Westrand gegen die Mitte gerissen. Diese ist nun aber in den letzten Jahren stark vergrössert worden. Wenn das so weiter geht, ist die ganze Hochebene kahl. Bis hier wieder ein ausgewachsener Wald steht, wird es Jahrzehnte dauern & ich persönlich werde das mit meinen 72 Jahren nicht mehr erleben.
Vorläufig wird wenigstens am Plateaurand ein Saum von Bäumen stehen gelassen. Wohl um die Silhouette des Baarer Hausbergs nicht allzu deutlich in Mitleidenschaft zu ziehen!

 

Di 2 IV 2019 Baarburg 10:30

Eine Kröte auf dem hellen Teichboden & Molche, die Luft schnappen oder in Deckung tauchen. Bei einem Teil des Laichs sind Kaulquappen ausgeschlüpft.

Es ist warm & die Sonne scheint durch einen dünnen Wolkenschleier.

Wenn man ins Innere des Plateaus schaut, spiegelt sich das Gegenlicht der immer noch recht tief stehenden Sonne flächig silbern. In der Gegenrichtung wirkt der Wald fragil transparent. Je nach Lichteinfall und Blickwinkel ist es eine andere Realität.

Die Baumknospen sind deutlich angeschwollen, aber bis auf den ersten Holunder an der besonnten Südkante des Plateaus haben sich noch keine geöffnet. Morgen soll es einen nasskalten Tag geben. Die Farben sind immer noch winterlich blassbraun.

Mein grotesker Schatten schräg hangabwärts.

13  2391

Nur wenige Meter vom Plateaurand entfernt ärgern zwei Krähen mit wilden Sturzflügen einen Bussard so lange, bis er wegfliegt.

Die einzigen Spuren der drei Frauen, deren Rituale ich beim Unterstand letztes Mal mitbekommen habe, sind einige rote Rosenblätter neben der Asche des Lagerfeuers.

 

So 7 IV 2019 Baarburg 11:15

Letzt Woche hat es nochmals geschneit, mit einer Frostnacht. Es hat überall noch Schneereste.In einem der Teiche sind alle Kaulquappen eng zusammen an den Rand geschart, eine schwarze wabernde Masse. In einem anderen Teich liegen die Kaulquappen etwas weniger eng zusammen und leblos. Im Wasser einige Molche, einer davon recht nahe am Ufer. Auf der Wasseroberfläche schwimmt eine tote Maus.

Beim Steilaufstieg ist aus der Felswand eine etwa 15 Meter hohe schmale Buche samt Wurzelteller auf den Boden hinunter gekippt. Und zwar genau dort, wo sich diesen Winter nach einer Frostwoche ein grosser Nagelfluhbrocken gelöst hat.

An der Südkante des Plateaus öffnen sich die ersten Linden- und Buchenknospen im Unterholz. Durch ein kleines Schneefeld führt eine schnurgerade Dachsspur.

In der Geocache-Schachtel liegen drei neue Token: eine Kunststoffkugel mit dem aufgedruckten Kopf einer Comicfigur mit Maulkorb, ein stilisierte rosa Eule aus Filz, ein Metallanstecker der THEO FREY AG BERN. Dazu die beiden Einträge:

31.3 19 W+U 13:15

02.04.2019 Grabis

Die erste Schlüsselblume. Ich sammle nochmals etwas Bärlauch, der zum Teil noch schneebedeckt ist. An einem rindenlosen Holzstück eine schöne Käfermusterzeichnung.

 14   2392

Am Rand des Parkplatzes ein strahlender gelber Löwenzahnstrauss. Daneben auf der grossen Wiese über der Kehrichtdeponie wachsen kaum Blumen.

 

 

Mo 15 IV 2019 Baarburg 10:15

Gestern hat es nach zwei Frostnächten etwas geschneit, später geregnet. In den Teichen wuseln Kaulquappen. Auch um die immer noch an der Wasseroberfläche schwimmende tote Maus sind sie geschart. Ob sie Fleisch fressen oder sich einfach am nächstbesten Rand ausruhen, bis sie sich wieder ins Gewühl stürzen?
Über der Landschaft liegt noch ein feuchter Schleier, der sich am Nachmittag auflösen soll. Sporadisch tropft es von den nassen Baumkronen. Es ist noch kühl, soll aber im Lauf der Woche immer wärmer werden.

Die Schneereste akzentuieren meine Viereckstruktur.

15   2393

Der Waldboden grünt zunehmend. An hellen Orten haben sich die Buchen- & Lindenknospen geöffnet.

Auf beiden Seiten der Waldstrasse um den Sockel der Baarburg sind die meisten grossen Bäume nah der Strasse gefällt worden & bilden nun einen grossen Stapel beim Waldeingang.

 

Ostern 21 IV 2019 Baarburg mit Irena 11:15

Es ist sommerlich warm. Der Wald leuchtet hell vom frischen Buchengrün. Die Buchenblätter sind zum Teil noch weich & flaumig. Die neuen Triebe der Brombeeren heben sich hell von den dunkelgrünvioletten alten Blättern ab. Alles spriesst oder blüht. Buchenschösslinge strecken ihre breiten Keimblätter der Sonne entgegen.

Für mich ist das die schönste Zeit des Jahres.

16   2394

Zum letzten Mal dieses Jahr sammeln wir Bärlauch. Die Blütenknospen werden sich bald öffnen & dann werden die Blätter bitter.

 

 

Do 25 IV 2019 Baarburg mit Rahel Hug 15:45

Heute begleitet mich die Journalistin Rahel Hug, die in der Neuen Zuger Zeitung einen Text über meine Baarburg-Umgänge veröffentlichen wird.

Ich erzähle ihr, wie es zu meinen Umgängen gekommen ist & was mich daran besonders fasziniert.

Es ist nochmals warm & die Ausläufer eines Föhnsturms rütteln manchmal heftig an den Bäumen.

Beim Unterstand hat ein Föhnsturm einen Stamm einer grossen gegabelten Buche weggeknickt. Zwei grosse Splitter stecken tief in der Erde, der Stamm ist bereits zersägt & entastet worden. Die angerissene Gabelung ist einige Meter über Boden. Von dort reckt sich der verbliebene schmalere Stamm unbeirrt in die Höhe.

 

17 2395

Der Wald leuchtet im hellen Frühlingsgrün. Auch die grosse Eiche hat nun ihre Knospen geöffnet. Die Eschen warten noch ab. Aber Buchen & Linden sind voll belaubt.

Die Buchenschösslinge haben nun über den den dunklen ledrigen Keimblättern bereits ein erstes zierliches helles Buchenblätterpaar. Die Stechpalmen & der Bärlauch blühen weiss.

An einem dicht belaubten Buchenast hat sich ein Fichtenzapfen verfangen.

18   2396

An den beiden im Boden steckenden grossen Baumsplittern sieht man, dass das Kernholz von einem weissen Pilz befallen ist & wohl deshalb weggebrochen ist.

Auf einem Lindenstumpf bildet ein dichter Teppich von Stockausschlägen einen üppigen Blätterstrauss.

 

Di 7 V 2019 Baarburg 10:45

Sonne & blauer Himmel. Es ist noch recht kühl. Der Schnee vom letzten Wochenende ist bis auf wenige Reste geschmolzen. Der Schnee hat hier nur wenige belaubte Zweige & Äste von den Bäumen gedrückt. In Luzern direkt vor meinem Fenster hat der nasse Schnee an einer Pappel mehr als die Hälfte aller Äste abgebrochen.

Am Waldstrassenrand liegt ein gefalteter weisser Zettel mit dem handgeschriebenen Wort

Dendrobium

Dendrobium nobile ist eine psychoaktive Orchidee mit einer Wirkung, die ähnlich jener von Cannabis ist.

Die hellen Triebe der kleinen Fichten heben sich hellgrün von den dunklen Nadeln ab. Es kommt Wind auf & wird wieder kühler.

Breite Trampelpfade, plattgedrückte Brombeerstauden & viele Fussspuren im weichen Waldboden zeigen, dass am Wochenende hier das traditionelle Jugendlager stattgefunden hat. Ausgerechnet in der Nacht auf Sonntag, als es stundenlang schneite! Ein alter morscher Baumstumpf wurde umgestossen, jemand stand auf das Iglu, ohne es gross zu beschädigen, und der Lagerplatz ist sauber aufgeräumt.

19   2397

Im nassdunklen Laub vor dem Unterstand liegt ein glänzender Metalllöffel mit Jugendstildekor.

Am Zugerberg gegenüber der Baarburg zeichnet sich markant die Schneegrenze ab.

 Auf dem Rückweg fantastische Schattenbilder auf der Waldstrasse. Als habe man sich etwas Dendrobium nobile in die Tabakpfeife gestopft.

Der Artikel von Rahel Hug über meine Baarburg-Umgänge ist am letzten Wochenende in der Zeitung Zentralschweiz am Wochenende erschienen. Er ist in der Rubrik Materialien greifbar.

 

Di 14 V 2019 Baarburg 10:45

Es ist sonnig & recht kühl. Manchmal tost der Biswind heftig durch die Baumkronen. Die stürmischen Winde der letzten Tage haben viele frisch belaubte Äste & Zweige von den Bäumen gerissen.

Einige der noch weichen & hellgrünen Blätter, die sich erst vor kurzem entfaltet haben, sind bereits von Insekten- & Raupenfrass durchlöchert. Die Natur ist ein dichtes Geflecht von Geben & Nehmen.

Leuchtende Rapsfelder akzentuieren einzelne Landschaftselemente — das Kloster Kappel am Albis.

20 2398

Am Gegenhang hat ein Bauer ein markantes Viereck auf die Wiese gemäht.

Einige Hundert Meter entfernt sehe ich zufällig einen Mann, der einen grossen Fichtenstamm abtastet & etwas in seine Schultertasche packt. Später sehe ich, dass dort an zwei Stellen Harz austritt.

Der Bärlauch blüht & riecht streng.

 

So 19 V 2019 Baarburg mit Irena 11:15

Schwemmrinnen auf dem Waldboden zeigen, dass es hier letzte Nacht sehr heftig geregnet hat.

Im Teich sehen wir neben vielen Kaulquappen auch einige Bergmolche, die ab & zu an die Oberfläche schwimmen, um Luft zu schnappen.

Der Wald ist noch feucht und dunkel. Die Buchenstämme, die sonst fast silbern leuchten, sind schwarz & matt.

Auf der Waldstrasse ein Feuersalamander. Wir sind beglückt, haben wir doch schon Jahrzehnte keinen mehr gesehen.

Ich höre nahe Stimmen, doch das Unterholz ist so dicht, dass man nicht weit sieht. Eine Frau mit ihren zwei halbwüchsigen Söhnen, alle in farbigen Jacken. Später sitzen sie auf einer der Aussichtsbänke beim Unterstand & essen ihr Picknick.

21   2399

Der verbliebene Stamm der beim Unterstand von einem Sturm zum Teil umgerissenen Buche ist nun gefällt worden.

Die feuchte Luft trägt die frisch-würzigen Walddüfte in unsere Nasen: ein überaus angenehm und wohl auch heilsames Bad für die Atemorgane. (Irena)

Am Waldstrassenrand blüht Schöllkraut.

Jemand hat mit einigen herzförmigen Steinen ein Muster auf den Waldstrassenrand gelegt.