Mo  4 I 2021   Baarburg   11:00

Es ist kalt. Der Boden ist gefroren, tiefe graue Wolken machen das Licht stumpf. Die harschen Schneereste knirschen unter den Sohlen.

Seit 34 Jahren besuche ich nun die Baarburg fast jede Woche. Ich führe eine Art Chronik dieses Orts, wie er sich verändert und wie er geprägt wird durch natürliche Prozesse und Interventionen jeglicher Art. Ich halte Zeichen & Konstellationen fest, die zufällig entstanden oder von Besuchern verursacht sind. Ich beobachte Spuren von Tieren und von Ereignissen wie etwa Stürme oder Waldweihnachten.

Wichtig ist auch die Landschaft im Umland, wie sie sich von der Baarburg her zeigt. Die Baarburg liegt auf einer alten Kulturgrenze zwischen katholischen & reformierten Kantonen. Das zeigt sich auch in der Landschaftsgestaltung & in den Baustilen.

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Auf dem Fenstersims im Unterstand liegen einige dünne Holzscheite, zwei Knäuel Zündwolle, eine leere Mineralwasserflasche, ein Plastik-Feuerzeug, ein Messer & ein metallener Grillrost.

 

So 10 I 2020 Baarburg mit Irena 11:15

Es ist einige Grad unter Null mit einer starken Bise, gegen die man aber auf der Baarburg weitgehend abgeschirmt ist. Der Wald ist eingehüllt in eine geschlossene harsche Schneedecke.

Es hat viele Tierspuren, einige schon etwas verwittert. Einige Mausspuren sind deutlich die Verbindung zwischen zwei Höhleneingängen, einen Meter oder etwas mehr voneinander entfernt. - Beim alten Fuchsbau hat ein Fuchs einen Eingang freigescharrt,  ist bei einem anderen Zugang herausgekommen & weitergegangen. - Wie schon in früheren Wintern ist ein Dachs regelmässig auf dem Pfad am Rand des Plateaus unterwegs.

Mit einem älteren Mann wechseln wir einige Worte. Er erzählt, er komme ursprünglich aus Hergiswil bei Willisau, wohne jetzt aber in Baar.

Auf einer feuchten Erdscholle hat sich etwas Haareis gebildet.

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Ein jüngerer bärtiger Mann erzählt uns, er habe mit seinem Hund schon viele Trüffel gefunden, die in dieser Region wachsenden hätten jedoch nicht viel Aroma.

Anfang Jahr ist in der Internet-Zeitung „zentralplus“ ein Text von Maria Greco erschienen, der die Sage der Erdmannli auf der Baarburg erzählt (siehe Materialien).

 

Mo 18 I 2021 Baarburg 11:15

Auf der Baarburg liegen etwa 40 cm Schnee. Die schwere Last hat einige grosse Äste & Fichtenwipfel auf den Boden gerissen.

Auf der Waldstrasse ist ein knapp zwei Fuss breiter Pfad in den Schnee getreten. Wenn man daneben tritt, versinkt man im tiefen Schnee. Der Pfad mäandriert hin und her, manchmal um ein aus den Baumkronen gerissenes Hindernis, manchmal einfach so.

Es hat eher wenige Tierspuren. Fuchs, Reh, Gemse, ein Hirsch. Rehe haben an einigen Orten Mulden bis auf den Blätterboden hinunter als Lager in den Schnee gescharrt.

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Die Temperatur ist knapp über Null Grad gestiegen & manche Fichten schütteln ihre Schneelast ab. Ich habe Glück, dass mich keine der Baumlawinen trifft.

 

So 24 I 2021 Baarburg mit Irena 11:00

In der Nacht hat es nochmals leicht geschneit. Jetzt ist die Oberfläche der harschen Schneedecke auf der Schattenseite des Bergs gefroren & knirscht unter den Füssen. An besonnten Stellen ist der Schnee sulzig oder zum Teil schon ganz geschmolzen.

In der Nähe von Luegisland ist neu wieder wie vor Jahren ein Nistkasten für Waldkäuze an einem Baumstamm befestigt.

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Am Dach des Unterstands tropft es von den Eiszapfen.

Ein Fuchs oder ein Dachs hat ein Loch in den Waldboden gescharrt.

 

So 31 I 2021 Baarburg mit Irena 10:15

Das Bergplateau steckt in den tiefen Wolken, aus denen es manchmal leicht regnet. Auf der Waldstrasse am nördlichen Sockel hat es noch Schnee, sonst ist er fast überall weggeschmolzen. Auf dem verbliebenen Schnee hat es Teppiche von Buchennüsschen und Nadeln.

Jemand hat mitten auf der Waldstrasse ein Herz aus Buchennüsschen gebildet.

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Beim Unterstand kommen wir ins Gespräch mit einem drahtigen Mann mittleren Alters, den wir hier ab & zu antreffen. Er erzählt uns von verschieden blühenden Sorten Klee, darunter die Luzerne, und dem Wetter im Jahre 1921, von dem ihm sein Grossvater erzählt hat.

 

So 7 II 2021 Baarburg mit Irena 10:30

Die Landschaft ist in einen grauen Wolkenschleier gehüllt. Der Rand der Eisdecken auf den Teichen beim Waldeingang ist geschmolzen. Ein zusätzlicher kleiner Tümpel ist ausgehoben.

Auf der Wiese zeichnen Mausgänge, die unter der Schneedecke gegraben und jetzt freigelegt worden sind, Muster auf den Boden.

Obwohl auf den Mittag Regen vorausgesagt wird, hat es heute viele Leute auf der Baarburg.

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In der Nähe des Unterstands sind entlang der Waldstrasse einige Bäume gefällt worden. Neben einigen Eschen, die vermutlich von Eschenwelke befallen sind, auch zwei hohe wilde Kirschbäume. Sie würden eigentlich gut zu einem gesunden Mischwald beitragen, schade, dass sie gefällt wurden!

Die Pilze, die man im Winter sieht, wachsen vor allem auf Holz. Ein weisser Pilz umhüllt die Umrisse eines Stücks Holz auf dem Waldboden und betont sie.

Das feuchtwarme Wetter der letzten Woche hat die ersten Buchennüsschen zum Keimen gebracht.

Jemand hat mit Tannästchen und Tannzapfen ein kunstvolles Doppelherz auf den Waldboden gelegt.

 

So 14 II 2021 Baarburg mit Irena 10:45

Es ist kalt, neun Grad unter Null. Dazu Sonne & blauer Himmel. Die Oberfläche der Schneedecke ist gefroren.

Es hat viele Tierspuren. Hirsch und Gemse, ein Dachs, der hin & wieder Schnee & Laub weggescharrt hat. Ein Hin- und Her von Mäusespuren zwischen zwei Höhleneingängen. Auch Vögel haben Schnee weggescharrt. Ein Fuchs, der an allen drei Höhleneingängen des seit Jahren verlassenen Fuchsbaus geschnuppert hat. Mulden von Rehlagern.

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An der Feuerstelle liegen Asche & angekohltes Holz eines grossen Lagerfeuers. Im Unterstand sind Getänkeflaschen, ein Feuerzeug, ein Flaschenöffner, eine Rolle Alufolie aufgereiht.

Zwei Bretter des angeschraubten Fensterladens sind weggerissen & wahrscheinlich verbrannt worden.

Ein Teil der gefällten Bäume ist bereits zersägt & gespalten am Waldstrassenrand säuberlich aufgestapelt.

Die Schneekristalle glitzern im Gegenlicht.

 

So 21 II 2021 Baarburg mit Irena 10:30

Vor einer Woche ist es hier um diese Zeit noch neun Grad unter Null gewesen, jetzt ist es sonnig & etwa zehn Grad warm. An schattigen Orten hat es noch letzte Schneereste.

Im Logbuch der Geocache-Höhle hat es über den Winter einige neue Einträge gegeben, darunter:

               15.1120  Sternentänzer

                   30:12.20  Bofi Crew

                   2.1.21 Kunterbunt 10

                   4.2.21  Silvia & Beata
              nette Aussicht von hier oben

Beim Unterstand brät ein älteres Paar Würste an einem Lagerfeuer.

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Wir sammeln den ersten Bärlauch dieses Jahr. Am Waldstrassenrand blühen Frühlingszeichen: Hasel, Pestwurz & Huflattich.

Vor einem Jahr hat hier der Huflattich zwölf Tage früher geblüht.

 

So 28 II 2021 Baarburg mit Irena 10:30

Beim Steilaufstieg werden wir durch ein Geräusch auf zwei Gemsen oberhalb von uns aufmerksam. Sie beobachten uns eine Zeitlang & verschwinden dann den Hang hinauf.

Nach einer sehr warmen Woche ist es mit Hochnebel & einer kräftigen Bise wieder nur knapp über Null Grad.

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Wie wir vor dem Unterstand sitzen, kommen zwei junge Frauen mit drei Kindern hinzu und fragen, ob sie nicht stören. Sie haben einen Kochkessel mitgebracht und die Kinder suchen vergnügt Holz für das Lagerfeuer. Eine der jungen Frauen fragt zu meiner Überraschung, ob ich der Blogschreiber sei & ich bin erfreut, eine Leserin kennenzulernen. Sie ist bei einer Recherche nach dem Erdmannliloch im Internet auf das Baarburg-Projekt aufmerksam geworden.

Der Bärlauch ist seit letzter Woche üppig gewachsen. Märzenglöckchen & Schlüsselblumen blühen.

 

So 7 III 2021 Baarburg mit Irena 10:15

Kaum haben wir uns auf den Weg gemacht, beginnt es heftig zu regnen, hört dann aber bald wieder auf. Ab & zu fallen noch einige Tropfen. Manchmal drückt sogar kurz die Sonne durch. Es ist kühl.

Am Rand des Pfads liegt eine tote Maus.

Die Feuerstelle bei Luegisland ist sauber aufgeräumt. Am Sockel eines Baums liegen einige farbig bemalte Steine auf dem Moosteppich.

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Auf einem kleinen Holzstoss über einem Baumsockel liegt ein Messer mit schwarzem Griff.

Im Gespinst eines feinen Spinnennetzes glänzen einige Regentropfen.

 

Di 16 III 2021 Baarburg mit Irena 11:15

Das Wetter wechselt zwischen Regen & Schnee, Graupel & Sonnenschein.

Eine Frau, die uns entgegenkommt, sagt, sie fülle jetzt jede Woche ein Glas mit Bärlauch von hier.

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Zwischen den Jahreszeiten: Nach 10 Minuten leichtem, aber stetigen Schneefall drückt jetzt die Sonne durch die Wolken, während es vom Wellblechdach auf den braunen Blätterteppich tropft und einen eigenwilligen Klang-Rhythmus schafft. (Irena)

Der Sturm vom Wochenende hat viele Äste & Zweige von den Bäumen gerissen und einen abgestorbenen Baum auf halber Höhe abgeknickt.

Junge Blätter des Aronstabs zeichnen ein grün leuchtendes Dreieck auf den dunklen Waldboden. Sie sind innert kurzer Zeit sehr gross geworden.

Die ersten weissen & violetten Veilchen blühen.

 

So 21 III 2021 Baarburg mit Irena 10:15

Es ist kalt & grau. Der Boden ist noch gefroren. An offenen Stellen hat es noch etwas Schnee.

Eine verwitterte Hirschspur quert ein kleines Schneefeld.

12   2493

Im Gras entdecken wir zwei hellbraun glänzende Pilze. Gemäss Pilzexpertin Tamara Dolezal handelt es sich um Frühjahrsweichritterlinge.

Am Rigi akzentuiert der Schnee die geologischen Schichten & die Erosionsrunsen.

 

So 28 III 2021 Baarburg mit Irena 10:45

Heute ist der erste Tag der Sommerzeit. Nach einer kalten Nacht blauer Himmel und wärmende Sonne. In den Tümpeln beim Waldeingang schwimmt der erste Laich. Wochen später als letztes Jahr. Wir sind überrascht, dass auch im Gras daneben etwas Laich liegt.

Am Waldstrassenrand leuchten die gelbgrünen Rosetten des wechselblättrigen Milzkrauts.

Im Geocache-Logbuch hat es viele neue Einträge, darunter:

                        21.2.21 Amanita01

                        24.2.21 myfiorina

                        7.3.21  Tagu Ha No Vi
                        10.3.21  Tigra05 + AnMa20

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Das schöne Frühlingswetter hat heute viele Leute auf die Baarburg gelockt.

Eine junge Reiterin wird von einem Velofahrer begleitet.

 

Ostersonntag 4 IV 2021 Baarburg mit Irena 11:15

 

Nach einer kalten Nacht weht immer noch eine kräftige Bise. Aber die Sonne scheint & auf dem Plateau wird es am Windschatten schnell warm.

Wie wir neben dem schmalen Pfad unseren ersten Halt machen, kommen zwei Wanderer an uns vorbei. Vater & Tochter. Der Vater orientiert sich mit seinem Smartphone, sucht vermutlich das Geocache-Versteck in der nahen Felshöhle. – Und wirklich hat es im Logbuch einen frischen Eintrag:

                              Tho7/1nhorn/chaeferli07
                              4.4.21

Auf dem Waldboden spriessen der Sauerklee & viele Buchenschösslinge.

Beim Unterstand sprechen wir mit einem Paar aus Baar über die Schönheit des Frühlingswalds & das Glück, in der Nähe des Wohnorts eine so vielfältige Natur zum Erkunden & Geniessen zu haben.

14   2495

Wie wir quer durch den Wald gehen, kommt uns ein junger Mann mit einem Metallsuchgerät entgegen. Er grüsst mich mit meinem Namen, kennt mich zu meiner Überraschung & Freude von meinem Blog her. Er hat hier schon einige interessante Funde gemacht. Er zeigt uns einige Beispiele aus dem ganzen Kanton Zug. Der schönste Fund ist eine fünflibergrosse französische Münze mit schöner Prägung aus der Zeit von Louis XVI, Ende des 18. Jahrhunderts. Er dokumentiert die jeweiligen Fundorte präzis und ist in Kontakt mit der Kantonsarchäologie, an die er seine Fundstücke schliesslich weitergibt.
Er zeigt mir auch eine Münze, die ich wohl einmal in ein Mausloch gesteckt habe, & die schon so verwittert ist, dass man die Prägung kaum mehr lesen kann. Anscheinend ist die Legierung von heutigen Münzen so, dass sie innert wenigen Jahrzehnten zerfallen.
Im Nachhinein finde ich es schade, dass ich den Mann nicht um seinen Namen gebeten & ihn gefragt habe, ob ich ein Porträt von ihm für die Bildergalerie fotografieren dürfe. Aber bei spontanen Begegnungen bin ich leider oft etwas unbeholfen.

Auf der Wiese im Jungwald sehen wir einen prächtigen Schwalbenschwanz.

Die blühenden Wildkirschenbäume leuchten weiss zwischen den noch kahlen Baumkronen.


So 11 IV 2021 Baarburg mit Irena 10:45

 

Ein warmer Föhntag. Das Licht scheint grell durch einen dünnen Wolkenschleier.
In den letzten Jahren herrschte in den Tümpeln beim Waldeingang um diese Zeit reges Leben mit Kröten & Fröschen und viel Laich im Wasser. Dieses Jahr hatte es nur ganz wenig Laich und bis auf einige Molche haben wir noch kein Tier gesehen.

Dort wo jedes Jahr der Türkenbund blüht, öffnen sich eben die Blätter einer neuen Generation. Das sieht aus wie der Kelch einer schönen grünen Blume.

Im Unterholz öffnen sich die ersten Buchen- & Lindenknospen. Unweit davon hängen noch einige dürre Blätter vom letzten Herbst. Crèmeweiss und muschelförmig eingerollt.

An der Feuerstelle Luegisland liegt eine Etikette auf dem Boden mit der mit einem Pflanzenmotiv umrandeten Satz

Das wunderbarste
Märchen ist
das Leben selbst.

von Hans Christian Andersen.

15   2596

Auf der Bank im Unterstand liegt eine Metalltube Leberwurst. Der abgebildete Hund zeigt, dass es sich nicht um liegen gelassenen Proviant, sondern um Tierfutter handelt.

Am Waldstrassenrand blühen Buschwindröschen.

An verschiedenen Orten im Wald sind letzte Woche einzelne Bäume gefällt und gleich abtransportiert worden. Im ganzen Kanton Zug ist es neu nicht mehr erlaubt, gefällte Bäume im Wald zu stapeln und mit Pestiziden gegen Käferbefall zu behandeln. Das Holz muss sofort wegtransportiert oder mit einem speziellen Netz geschützt werden.

In der Nähe der Tümpel hat jemand vier kleine Tipis aus Ästchen, Moos und Steinen gebildet. So etwa könnte man sich eine provisorischen Unterkunft von Steinzeitjägern am Rand eines sich zurückziehenden Gletschers vorstellen.