Heute ist Tauwetter. Die Sonne drückt blass durch einen dünnen Wolkenschleier, der sich aber bald verdichtet zu schnell dahinziehenden Wolken.
Jemand hat beim Parkplatz eine kleine Edeltanne in die Hecke gesteckt — ein entsorgter Weihnachtsbaum.
Heute beginnt das 39. Jahr meiner regelmässigen Baarburg-Besuche. 2678mal bin ich hier schon durch den Wald gestreift und jedes Mal ist er anders, ich entdecke ein neues Detail oder eine Veränderung, verursacht durch Mensch oder Tier, Wind und Wetter.
Beim Vorbeigehen streift mir ein Ast die Brille vom Gesicht und wir müssen lange suchen, bis wir sie in einem nahen Stechpalmenbusch finden.
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Viele Äste und Zweige liegen auf dem Boden, die der Schnee weggedrückt oder der Wind heruntergerissen hat.
Auf der verbliebenen Schneedecke liegt ein Teppich von Nadeln, Ästchen und Rindenabrieb — Material, das im Kreislauf der Natur den Boden anreichert, aber sonst unsichtbar bleibt.
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Trotz der strahlenden Sonne ist es noch einige Grad unter Null. Bis auf wenige Reste ist der Schnee verschwunden, an schattigen Stellen ist der Waldboden aber mit weissen Graupelkörnern bedeckt. Das gefrorene Laub knistert unter den Füssen. Die tief stehende Sonne macht das Licht gelb und die Farben intensiv.
An einigen Orten hat es Haareis.
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Von Süden her ziehen nach und nach Wolken auf und unterdessen ist es etwas wärmer geworden.
Bis auf das Rauschen der Autobahn aus der Ferne ist der Wald absolut still. Selbst die Vögel sind verstummt.
Es ist kalt. Das Bergplateau berührt knapp den tief stehenden Hochnebel. Der dünne Nebelschleier legt sich wie ein kühles Tuch aufs Gesicht. Der Boden ist so hart gefroren, dass man das Gefühl hat, man gehe auf Fels.
An schattigen Orten hat es noch einige Schneereste.
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Jemand hat am Sockel einer Fichte mit -Ästchen und Moos eine kleine Struktur gebildet.
Bis auf das Grün der Nadelbäume sind die Farben im Winterwald rar geworden: ein leuchtend brauner Baumpilz, ein grüngelbes Efeublatt.
Wir begegnen heute weder Mensch noch Tier. Einmal raschelt es in der Nähe von einer Amsel, die unter dem Blätterteppich nach Futter sucht.
Es ist sonnig und warm — ein Hauch von Frühling liegt in der Luft.
Ein Schwarzspecht fliegt laut rufend hoch über uns hinweg.
Etwa 100 Meter entfernt äsen zwei Gemsen, eines deutlich kleiner als das andere — ein Kitz, das aber wohl bald schon ausgewachsen ist. Ab und zu mustern sie uns, flüchten aber nicht. Die hier ansässigen Gemsen haben wohl unterdessen gemerkt, dass Menschen ohne Hundebegleitung nicht gefährlich sind.
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Die Luft ist klar und am südlichen Horizont leuchten die verschneiten Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau.
In den nächsten Tagen bleibt es warm und so werden hier wohl bald die ersten Frühlingsblumen spriessen.
Der Wald ist kalt und feucht. Der graue Hochnebel macht das Licht stumpf.
Beim Plateaurand hängt an einem Buchenzweig ein weisses Blatt Papier mit der Aufschrift Winterwald und dem Bild von zwei eingeschneiten Nadelbäumen. Auf der Rückseite steht neben dem farbigen Signet der Gemeinde Baar Schulangebot Sportwoche.
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Im Unterstand liegt eine grosse Tasche, die mit weiteren Winterwald -Blättern gefüllt ist.
Am Rand des ausgelichteten Fichtenwalds sind die gefällten und entasteten Bäume zu einem grossen Stoss gestapelt.
Die Samenstände der Klematis haben Griffel, die aussehen wie weisse Flaumfedern.
Bereits blühen die ersten Haselsträucher .
Es ist leicht bewölkt und die Sonne scheint, aber es ist noch recht kalt.
Wir scheuchen zwei Rehe auf, das eine flieht gegen den Steilhang, das andere wartet im Unterholz, bis wir weitergegangen sind.
In eine Baumnische ist ein als Wellensittich bemalter Stein geklemmt.
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Am Fuss einer grossen Tanne hat jemand eine Art Zeltgerüst aus grossen Ästen gebildet.
Wie auch der Wellensittichstein ist das vermutlich eine Spur der letzten Sonntag angekündigten Schulsportwoche.
Der erste Huflattich des Jahres blüht. Letztes Jahr geschah das schon etwas früher, am 4. Februar, vor zehn Jahren erst am 8. März. Das ist wohl eines der vielen Zeichen der Klimaerwärmung.
Letzten Herbst bin ich hier einem Mann mit einem Metallsuchgerät begegnet und er hat erzählt, dass er auf der Baarburg einen spektakulären Fund gemacht hat, der aber vorläufig noch geheim bleiben soll. Nun hat die Kantonsarchäologie über die letztes Jahr im Kanton Zug gemachten Funde berichtet. In der Zuger Zeitung vom 28. Januar heisst es dazu: Als einer der Höhepunkte wird das auf der Baarburg von einem Sondengänger entdeckte, gut erhaltene Bronzerelief gesehen: Darauf kämpft ein Eber gegen einen Löwen. Über die Funktion rätseln die Fachleute noch immer.
Vor einer Woche haben wir hier die ersten Frühlingszeichen gesehen, jetzt ist nochmals Winter. Es hat etwas geschneit und nach einer Frostnacht ist der Boden hart.
Die wenigen Spuren von gestern sind gefroren, heute zeigt sich kein Tier und der Wald bleibt still.
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Die gelben Huflattichblüten haben sich gegen die Kälte gewappnet und sind geschlossen. Aber am Waldstrassenrand spriessen doch schon die ersten Bärlauchblätter.
Auf der Hinfahrt nieselt es. Wie wir uns dann zu Fuss auf den Weg machen, hört es auf und bleibt trocken, bis auf der Rückfahrt dann heftiger Regen einsetzt.
Es ist recht warm und verschiedene Frühlingsblumen beginnen zu blühen: Schlüsselblumen, Pestwurz und Märzenglöckchen. Wir sammeln auch etwas Bärlauch.
Ein vielstimmiges Vogelkonzert hallt durch den Wald. Ein Schwarzspecht fliegt rufend über den Baumkronen.
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Von Baar herauf hört man Blasmusik. Die Fasnacht hat begonnen.
Wir begegnen einem Paar im mittleren Alter. Zu meiner Überraschung fragen sie mich, ob ich auch wieder einmal hier sei. Es stellt sich heraus, dass sie diesen Blog regelmässig gelesen haben und von einem Programm jeden neuen Eintrag gemeldet erhielten. Aber diese Meldungen fielen plötzlich aus. Eine technische Panne. Auf das Baarburg-Projekt aufmerksam gemacht wurden sie durch den Artikel von Thomas Widmer in der Zeitschrift „Schweizer Familie“ und von der Baarer Sagenspezialistin Maria Greco.
Grauer Hochnebel, es ist zwar einige Grad über dem Gefrierpunkt, mit einer starken Bise wirkt es aber fast schneidend kalt.
Das wenige Frühlingsgrün verschwindet noch in den falben Winterfarben.
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Auf einer der Aussichtsbänke beim Unterstand sitzt ein junges Paar und verpflegt sich.
Wir begegnen einem jungen Mann mit einem kleinen Jagdhund, der uns zuerst heftig anbellt, sich dann aber bald wieder mit den vielen interessanten Gerüchen ringsum beschäftigt. Im Gespräch erfahren wir, dass der Mann Wildhüter ist und die Baarburg und die hier lebenden Tiere sehrt gut kennt. Letzthin habe er hier sogar einen der seltenen Uhus gesehen. Er schimpft über einen Mann, der kurz vorher auch an uns vorbeigegangen ist und seine zwei grossen Pudel frei im Wald herumtollen liess.
Es ist sonnig und warm. Die Sonne steht immer noch tief — das verursacht faszinierende Schattenbilder.
Beim Unterstand verpflegt sich ein junges Paar aus dem Rucksack.
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Vom Tal her hört man wummernde Bässe und Fetzen von Blasmusik. Fasnachtswagen fahren vom katholischen Kanton Zug, wo die Fasnacht am Aschermittwoch geendet hat, hinauf zum dem reformierten Hausen am Albis, wo sie heute beginnt.
Von Westen her ziehen langsam Wolken auf. Seitdem der wiedergewählt Präsident Trump mit seiner erratischen Politik alle Medien dominiert, machen sich heute sogar die Wolken lustig über ihn.
Graue Wolken, manchmal drückt die Sonne durch, aber eine heftige Bise verhindert, dass es warm wird.
An einem Buchenstamm ist ein eingerahmtes Kreuz eingeritzt. Vor langer Zeit. Wir gehen jede Woche an diesem Ort vorbei, haben dieses Graffito bis jetzt aber noch nie beachtet.
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Auf der Bank im Unterstand liegt eine zerdrückte Zündholzschachtel mit dem Bild des Jungfraumassivs. Bei klarem Wetter würde man den Berg auch am südlichen Horizont sehen.
Am feuchten nördlichen Bergsockel leuchtet das gelbe wechselblättrige Milzkraut. Im Pflanzenführer hat es zu dieser Pflanze folgende Anekdote: Die Französin Bernadette Soubirous hat im Jahr 1858 behauptet, dass die Jungfrau Maria ihr das in einer Höhle wachsende, bittere Kraut gezeigt habe, damit sie es essen konnte.
Auch die gelben Sumpfdotterblumen blühen.
Auf der Hinfahrt regnet es anhaltend. Aber wie wir auf den Parkplatz fahren, hört es auf und vorsichtig drückt sogar die Sonne durch die Wolken.
Der Wald ist erfüllt von vielfältigem Vogelgesang. Darunter Singdrosseln, Mönchsgrasmücken, Meisen und Buchfinken. Ein Specht hämmert an einen nahen Baumstamm, lässt sich aber nicht blicken.
Im Unterholz öffnen sich die ersten Blattknospen des Holunders.
Jede Woche blühen nun weitere Frühlingsblumen, diesmal Veilchen und Buschwindröschen.
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Etwa 100 Meter entfernt sehen wir zwei Gemsen; sie schauen uns an, fliehen aber nicht.
Die Sonne scheint durch dünne Schleierwolken. Es weht ein kühler Wind. Heute hat die Sommerzeit begonnen.
Der Boden ist noch feucht und der Aufstieg ist rutschig vom gestrigen Regen.
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Am Bergsockel sind entlang der Waldstrasse einige Bäume gefällt worden — vor allem Eschen, die vom Eschentriebsterben befallen sind.
Eine grosse Hummel mit orangerotem Pelz fliegt von Frühlingsblüte zu Frühlingsblüte.
Am Fuss der Baarburg blühen die ersten Kirschbäume und unterhalb der Kantonsstrasse neben einem Bauernhaus leuchten gelbe Forsythien.
Trotz strahlender Sonne und blauem Himmel ist es noch recht kalt, da eine heftige Bise weht.
Im Unterholz haben sich die ersten Buchenblätter geöffnet und auch einige Lindenknospen machen sich bereit. Sie zu fotografieren gelingt nicht, weil der Wind alles in Bewegung hält.
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Die gelben Sterne der Scharbockblüten leuchten und das frische Grün des Sauerklees hebt das Weiss seiner Blüten hervor.
Auch die ersten Wildkirschen im Wald beginnen zu blühen.
Gegen Ende des Umgangs lösche ich nach einem missglückten Schnappschuss versehentlich alle Bilder auf der Kamera. Die heutige Bildergalerie ist ein notdürftiger Ersatz.
Auf der Hinfahrt hat es noch etwas geregnet, aber kaum steigen wir aus dem Auto, hört es auf und manchmal drückt später sogar ab und zu die Sonne durch.
Es duftet intensiv nach Regen und Erde.
Am Bergsockel machen ein weisser Stab und ein roter Markerstrich neben der Waldstrasse darauf aufmerksam: Einige Meter im Waldesinneren steht ein Metallgestell mit einer Bohrstange. Wahrscheinlich wird hier eine Bodenprobe genommen.
Das Unterholz leuchtet hellgrün von den jungen Buchenblättern. Bei den Linden öffnen sich eben die ersten Knospen.
Wir essen einige der samtig weichen Buchenblätter — sie schmecken ähnlich wie Sauerklee.
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Der Pestwurz ist stark gewachsen und zeigt die filigranen Samenstände.
Nun blühen auch die Walderdbeeren.
Auf einem Baumstumpf hat jemand einen stilisierten Fisch eingefräst.
Heute begleitet uns die pensionierte Gymnasiallehrerin Barbara Göldi.
Wie wir uns auf den Weg machen, scheint die Sonne, aber bald ziehen dunkle Wolken auf und gegen Ende unseres Umgangs beginnt es dann heftig zu regnen.
In kurzer Zeit ist der Wald nun ein Meer von hellem Frühlingsgrün geworden. Auch die Vögel scheinen sich zu freuen und vielstimmiger Gesang schallt durch den Wald.
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Der Bärlauch blüht und es riecht intensiv nach Knoblauch. Die ebenfalls weiss blühende Knoblauchrauke riecht dezenter — sie wird seit prähistorischen Zeiten als Gewürz verwendet.
Die Goldnessel sieht mit der roten Zeichnung auf den Blütenblättern aus wie eine Orchidee. Für Hunde und Katzen ist sie giftig.
In der Nacht hat es geregnet, jetzt ist es sonnig und sehr warm. Die feuchte Luft duftet süss und erdig.
Der blühende Bärlauch riecht penetrant nach Knoblauch. Woche für Woche blühen nun andere Pflanzen, sie wechseln sich ab und bieten Bienen und Hummeln immer wieder neue Nahrung. Die weissen Sterne des Waldmeisters leuchten, der Ehrenpreis zieht einen blaugrünen Teppich über den Waldboden.
Zum ersten Mal dieses Jahr krabbelt eine Zecke über meinen Handrücken.
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Wir beeilen uns, weil von Nordwesten her schwarze Wolken aufziehen. Es donnert und blitzt und regnet bald wie auf Kübeln. Obwohl wir uns im Laufschritt auf den Rückweg machen, sind wir bald bis auf die Haut durchnässt.
Es ist sonnig und warm; der Wald strotzt von üppigem Grün.
In den letzten Jahren waren die kleinen Teiche beim Waldeingang vom Frühling bis zum Herbst belebt von Molchen, Fröschen, Kröten und Ringelnattern. Diesen Frühling fehlte der Laich und jetzt leben dort nur Wassserläufer und einige Libellen.
Quer über die Zufahrtsstrasse liegen zwei Fichten. Ein grosser Baum ist samt Wurzelteller vom Wind umgerissen worden und hat beim Sturz einen kleineren weggeknickt.
Vom Bergsockel her hört man das anhaltende heisere Bellen eines Rehbocks.
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Eine junge Blindschleiche erstarrt bei unserem Näherkommen, kriecht dann nach einigem Abwarten weiter, — die Bewegung wirkt wie ein lautloses gleissendes Fliessen.
Die Blätter der Pestwurz sind in kurzer Zeit riesig geworden.
Am Waldrand blühen der gemeine Schneeball und die rotblättrige Wildrose.
Wie wir auf den Parkplatz fahren, schaut aus einer Ritze der Umfassungsmauer ein Wiesel. Es huscht über die Mauerkrone, mustert uns neugierig und verschwindet im Gebüsch.
Es regnet, so dass wir uns mit den Pelerinen auf den Weg machen. Wie wir dann das Bergplateau erreichen, hat der Regen aber bereits wieder aufgehört. Später zeigt sich sogar mal kurz die Sonne.
Unter den vielen Vogelstimmen fällt der Gesang der Mönchsgrasmücke besonders auf. Er ist melodisch wie jener der Amsel, aber etwas heller, die Strophen sind länger und voll von überraschenden Wendungen und eingestreuten Trillern.
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Beim Waldeingang, wo wir vor einer Woche die rotblättrige Wildrose sahen, blühen nun blassrosa Wildrosen und sogar ein geflecktes Knabenkraut — eine Orchidee. Auch der Holunder blüht.
Letzte Nacht hat es geregnet und zum heutigen meteorologischen Sommeranfang ist es heiss und schwül.
Der Geissbart beginnt zu blühen. Seine weissen Blütengarben werden den Wald bis zum Herbst schmücken.
in einer kleinen Lichtung fällt uns auf, dass der kugelige schwarze Rehkot, den wir vor einer Woche bemerkten, noch immer dort ist, leicht angetrocknet. Bis vor einigen Jahren wäre er schon längst verschwunden. Das allgemeine Insektensterben betrifft auch die Schmeissfliegen. Früher war frischer Kot sofort mit ihnen bedeckt und sie brachten ihn in schnell zum Verschwinden. Nun bleibt Kot manchmal wochenlang liegen. Wer nun froh ist, dass die lästigen Mücken und Fliegen seltener geworden sind, vergisst, dass sie für viele Vögel eine wichtige Nahrungsquelle sind.
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Auf einem Brombeerblatt sitzt ein scharlachroter Feuerkäfer.
Auf der Bank im Unterstand liegt ein „Chamer Bär“, Gemeinde-Anzeiger von Cham, ohne Deckblatt, das wohl zum Anfeuern verwendet worden ist.
Die prallen Knospen des Türkenbunds werden sich bald öffnen.
Es weht ein stürmischer Wind, der die Wolken über den Himmel treibt und an den Bäumen und an unseren Nerven zerrt. Das Aneinanderreiben der Stämme erzeugt seltsame Laute wie Ächzen, Wimmern und Pochen. Wir sind besorgt, von einem heruntergerissenen Ast oder einem umgerissenen Baum getroffen zu werden und beeilen uns.
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Auf einem Moosteppich verstreute Federn zeugen davon, dass hier eine Amsel gerupft wurde.
Die weissen Dolden des Baumtropfs leuchten vor dem satten Blattgrün.
An einigen Brennesseln wuseln Klumpen von Raupen des Tagpfauenauges.
Die Akelei blüht violett. Der Liguster weiss.Neben den kugeligen Knospen des Blut-Johanniskrauts hat sich bereits eine prächtige gelbe Blüte geöffnet.
Strahlende Sonne aus blauem Himmel. Der Wind hält die Temperatur im angenehmen Bereich.
Der Gewittersturm vom Sonntagnachmittag hat viele Äste, Zweige und Blätter heruntergerissen. Eine hohe Esche liegt entwurzelt quer über der Waldstrasse.
Eine dunkle Schnecke tut sich am Hut eines überreifen Steinpilzes gütlich.
Ein grosser Bussard navigiert nahe von uns lautlos zwischen Stämmen und Ästen hindurch.
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Der violett blühende Wald-Ziest sieht prächtig aus wie eine Orchidee.
Das feuchtwarme Wetter begünstigt die Zecken. Wir entfernen ab und zu einige Zecken-Nymphen von unseren Hosenbeinen.
Die Pfauenauge-Raupen, die vor einer Woche um die Brennessel-Blüten geknäuelt waren, sind in dieser Zeit enorm gewachsen und jetzt gegen 6 cm lang.
Violett auch die blühende Kratzdistel.
Auf der Hinfahrt ist es bereits 27 Grad warm und es soll noch heisser werden, bevor dann am Nachmittag heftige Gewitter Abkühlung bringen könnten.
Auf der Zufahrtsstrasse zum Waldeingang sehen wir aus der Distanz drei junge Wiesel herumtollen.
Nahe der Waldstrasse sind zwei Männer in blauen Overalls mit Sondierbohrungen beschäftigt. Auf unsere Frage nach dem Zweck der Sondierung wollen sie uns keine Auskunft geben ausser dass es sich um die Vorbereitung eines Bauvorhabens handle.
Von der Felskante des Bergplateaus aus sehe ich weit unten einen jungen Waldkauz sitzen. Ein lautes Husten von mir bewirkt, dass er hinauf zu mir blickt.
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An einigen Orten blüht dunkelgelb das Johanniskraut.
Die Raupe eines Distelfalters schützt sich mit einem feinen Gespinst gegen Fressfeinde.
Ein Grosser Schillerfalter umflattert uns und setzt sich immer wieder auf unsere Kleider.
Später finden wir heraus, dass dieser Falter keinen Nektar trinkt, sondern an faulenden Stoffen, an Aas, tierischen Exkrementen und Schweiss saugt. Unser Schweiss ist also der Grund, dass der Schillerfalter uns so umschwärmt und sich immer wieder auf uns niederlässt.
Es ist heiss, am Nachmittag sollen es über 30 Grad sein.
Die Sondierbohrungen gehen weiter. Diesmal ausgeführt von einer anderen Firma mit grössserem Gerät.
An einem bemoosten Baumstamm sitzt ein grosser schwarzweisser Nachtfalter mit dem schönen Namen „Klosterfrau“.
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Der Holunder ist verblüht, die grünen Beeren werden wohl bald schwarz sein.
Die leuchtenden filigranen weissen Sterne des Mädesüss duften herrlich.
Am Waldrand blüht das von den Bauern gefürchtete hochgiftige gelbe Jakobskraut.
Auch die Beeren der roten Heckenkirsche sind giftig.
Es ist schwül, gegen 30 Grad warm, ab und zukommt von Westen ein Windstoss auf . Auf den Nachmittag ist Regen und eine starke Abkühlung vorausgesagt.
Das Gerät für die Sondierbohrungen steht immer noch im Wald. Die Bohrstelle am Boden ist mit einem Metalldeckel verschlossen.
In der Nagelfluhwand entdecke ich weit unten wieder den jungen Waldkauz. Wie ich mich räuspere, schaut er zu mir hinauf.
Im Geocache-Logbuch in der Felshöhle ist der letzte Eintrag vom 29.6.25 und lautet:
Viola 62
eine Machte wäre hilfreich gewesen bei dem üppigen Grün
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Auf den beiden Sitzbänken beim Unterstand verpflegt sich eine Familie; sieben Personen, drei Generationen.
Auf Augenhöhe kurvt ein Bussard lautlos nah vor mir durch den Wald.
Auf der Heimfahrt fallen bereits die ersten Tropfen.
Es ist schwül, aber nicht mehr so heiss wie letzte Woche. Von Westen nähert sich eine Regenzone, die am Nachmittag hier eintreffen und bis morgen andauern soll.
Am Wegrand gibt es jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Diesmal die violetten stachligen Blütenkugeln der Klette. Überraschend ist auch ein weiss blühender Baldrian.
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An einem Eckpfosten des Unterstands hat jemand ein kunstvoll ornamentales Graffitto gezeichnet. Neben einigen Symbolen wie dem Anarchistenzeichen zeigt es den Fliegenpilz und den spitzkegeligen Kahlkopf (die beide halluzinogen wirken) sowie eine Liste der sieben Chackras.
Die Glockenblüte der giftigen Tollkirsche ist blassviolett.
Die Brombeeren sind kurz vor der Reife, die erstens Himbeeren schmecken bereits süss.
Wir sehen und fotografieren einen orangenschwarzen C-Falter. Er hat seinen Namen, weil auf der dunklen Rückseite der Flügel ein deutliches C sichtbar ist.
Es ist schwül, so dass wir nach dem Aufstieg zum Bergplateau schweissgebadet sind. Auf den Nachmittag werden heftige Gewitter erwartet.
Ein Maulwurf robbt mir entgegen. Er scheint mich nicht wahrzunehmen, bewegt sich aber so ruckartig, dass alle Versuche, ihn zu fotografieren, fehlschlagen.
Eine junge Blindschleiche quert vor uns den Pfad.
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Das Fragment eines Backsteins im freigelegten Waldstrassenkoffer zeichnet ein Gesicht. Arrangiert wäre ein solches Bild banal, gefunden ist es eine eine Glücksache.
Irena sammelt reife Brombeeren.
Kurze Regenpause an einem Regenwochenende. Wie wir aufbrechen, drückt sogar kurz die Sonne durch die Wolken, aber es tropft noch heftig von den nassen Baumkronen.
Ein dunkler Frosch flüchtet mit einem Sprung vor meinen Schritten; auf dem nassen Blätterteppich ist er perfekt getarnt,
Wir wir den Unterstand erreichen, beginnt es heftig zu regnen, so dass wir froh sind über das schützende Dach.
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Der stürmische Regen gestern und in der Nacht hat viele gelbe Lindenblätter herunter gerissen.
An einem Nagel im Unterstand hängt schon seit Wochen ein gefüllter grosser schwarzer Abfallsack. Nun hat ein Tier, wahrscheinlich ein Fuchs, die unteren beiden Ecken aufgerissen und auf der Bank liegen Zigarettenstummel, Plastikröhrchen, Fetzen von verschmutztem weissem Papier.
Die roten Beeren des Aronstabs leuchten aus dem dunklen Sommergrün des Waldes.
Gestern und letzte Nacht hat es geregnet. Der Wald ist nass und kühl, aber wie wir aufbrechen, drückt die Sonne durch die Wolken.
Wir finden die ersten Steinpilze dieses Jahres.
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Wie wir beim Unterstand sind, beginnt es leicht zu regnen, hört aber bald wieder auf.
An einigen Orten wachsen auch Rotfussröhlinge.
Mit dem Fortschreiten des Sommers nimmt die Anzahl der blühenden Pflanzen ab. Die rosa Rosetten des Wirbeldosts beginnen jetzt zu blühen.
Nach dem vielen Regen der letzten Woche sind die Weiher beim Waldeingang randvoll. Es hat aber weiterhin weder Frösche noch Libellen. Auch Ringelnattern haben wir dieses Jahr noch keine gesehen.
Es ist sonnig, heiss und trocken. Am Nachmittag sollen es über 30 Grad werden.
Wie wir uns an den steilen Aufstieg machen, kommt uns ein Paar in mittlerem Alter entgegen. Es sind Holländer, die scherzhaft meinen, an solch steiles und rutschiges Gelände seien sie nicht gewohnt.
Wir finden viele Steinpilze, aber die meisten sind bereits am Verfaulen und teils schimmlig.
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Die Samen der Kratzdistel sind flauschig umhüllt — bereit, vom Wind fortgetragen zu werden.
Am gebogenen Stengel des Salomonssiegels hängen säuberlich aufgereiht blaue Beeren.
Die Waldbrombeeren sind reif und süss.
Auf der Hinfahrt haben wir bei der Brauerei Baar Getränke gekauft. Auf der Eingangstüre aus Glas sind die Höhenkurven der Baarburg eingraviert.
Es ist sonnig und warm, aber nicht mehr so heiss wie letzte Woche.
Im Unterholz liegt zerknäuelt ein gestrandeter weisser Heissluftballon aus Papier, leicht angesengt.
Trotz dem trockenen Wetter hat es noch einige Pilze, wenn auch keine Speisepilze.
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In einer Ecke des Unterstands sind zwei leere Flaschen, zwei Plastikbecher und eine Packung LUCKY STRIKE ordentlich gruppiert.
Diesmal sind die filigranen Samen des Hasenlattichs bereit, vom Wind verstreut zu werden.
Die leuchtend roten Hagenbutten sind reif.
Unterdessen hat sich herausgestellt, dass der vermeintliche junge Waldkauz, den ich am 23. Juni und am 6. Juli auf der Baarburg fotografieren konnte, gemäss der Vogelwarte Sempach ein junger Uhu ist. — In dieser Region eine grosse Seltenheit!
Es ist sonnig und warm. Ein leichter Wind verhindert, dass es heiss wird.
Endlich hat es Leben im Teich. Ein grosser Wasserfrosch versteckt sich im Schilf.
Irena findet einige Semmelstoppelpilze.
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Dass es Spätsommer ist, merkt man auch daran, dass das Blühen nun vorbei ist. Die ersten Blätter beginnen sich zu verfärben. Neben den Hagenbutten leuchten auch die Beeren des Gemeinen Schneeballs rot.
Am Hagenbuttenstrauch haben sich einige moosige rote Kugeln gebildet. Es sind von Rosengallwespen verursache Galläpfel.
Es ist sonnig und warm — ein wunderbarer Spätsommertag mit klarer Fernsicht.
Auch heute sammelt Irena wieder einige Semmelstoppelpilze. Trotz feuchtem Boden sieht man sonst kaum Pilze.
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Die Krone einer absterbende Fichte ist über und über mit Misteln überwuchert.
Bei einer schmalen, sehr hohen Linde, die alle anderen Bäume überragt, beginnen sich die Blätter gelb zu verfärben.
Ein Baumstamm ist mit drei runden weissen Flechten markiert.
Wir entfernen je eine winzige Zeckennymphe von unseren Hosenbeinen.
Auf dem steilen Weg hoch zum Bergplateau kommen uns zwei Männer mit grossen Rucksäcken entgegen; einer hat einen Kochkessel an der Hand. Wahrscheinlich haben sie auf dem Berg übernachtet. Beim Unterstand bestätigt sich das: Die Asche in der Feuerstelle ist noch warm und auf dem Fensterbrett steht eine halb abgebrannte weisse Kerze.
Der heftige Sturm von letzter Woche hat viele Äste und belaubte Zweige von den Bäumen gerissen.
Wir finden die ersten Totentrompeten des Jahres, sie sind aber noch winzig klein; sie werden wohl in einer Woche reif zum Pflücken sein.
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Auf einer offenen Fläche mit Jungbäumen sind viele der kleinen Fichten farbig markiert — rot, hellgrün, pink oder violett.
Die weissen Blütendolden der Angelica haben sich in hellgrüne Samendolden verwandelt, die aber beinahe noch prächtiger sind.
Beim Wasserreservoir erklingt Kuhglockengeläut von der nahen Weide.
Wir werden heute begleitet von meiner Schwester Anita, pensionierte Primarschullehrerin.
Letzte Nacht hat es geregnet, jetzt lösen sich die Wolken zunehmend auf und die Sonne strahlt vom blauen Himmel.
Das feuchtwarme Wetter der letzten Woche hat das Pilzwachstum begünstigt und wir finden eine Menge von Totentrompeten und einige Stein- und Semmelstoppelpilze. Aber auch eine schöne Herkuleskeule und einige Pantherpilze, beide Sorten sind ungeniessbar.
Ich schaue wieder einmal ins Logbuch der Geocache-Höhle. Unter den neusten Einträgen nimmt einer Bezug auf das Baarburg-Protokoll:
20.8.25
Endlich bin ich wieder da.
Und dass der junge Waldkauz
ein junger Uhu ist, freut mich
ausserordentlich. Beata
Mit Beata hatte ich vor Jahren einmal Mail-Kontakt, wir haben uns aber noch nie getroffen. Sie besucht die Baarburg regelmässig und liest offenbar auch meine Aufzeichnungen.
In der Geocache-Schachtel hat es einige kleine Plastikfiguren als Token.
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Auf einem besonnten Stück Waldboden wimmelt es von Wespen, die geschäftig hin- & herfliegen. Nach einigem Suchen entdecke ich den Eingang zum ihrem Erdnest. Obwohl ich heftig umschwärmt bin, werde ich nicht gestochen!
Pünktlich zum astronomischen Herbstbeginn gehen die sehr warmen Tage dem Ende entgegen. Noch scheint die Sonne und der Himmel ist blau, aber gegen Abend soll es regnen und in den nächsten Tagen merklich kälter werden.
Auf dem Hut einer Stinkmorchel sitzt eine Fliege.
Ein kleines Höhlensystem mit drei Eingängen, wo vor Jahren einmal eine Fuchsfamilie mit Jungen hauste, ist wieder bewohnt. Die Schleifspuren am Eingang deuten darauf hin, dass es Dachse sind.
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An einigen Bäumen werden die ersten Blätter gelb oder braun.
Dort, wo ich vor einer Woche Erdwespen vermutete, ist der Boden nun mit hellen Sandflächen und kreisrunden kleinen Löchern übersät. Es sind also Sandbienen, die hier ihre Bruthöhlen graben.
Der Wald ist so still, dass man hört, wie ab und zu ein Blatt fällt..
Wolken ziehen auf und es wird merklich dunkler.
Der Hochnebel löst sich zum Teil auf oder verdichtet sich zu dunklen Wolken. Es ist herbstlich kühl. Manchmal drückt die Sonne durch.
Es hat noch immer viele Pilze: Semmelstoppel, Totentrompeten, Steinpilze und ein Hexenröhrling.
Immer wieder liest sich ein Muster an einem Baumstamm oder auf dem Boden als Gesicht oder Kopf.
37 2715
Auf einem kleinen Abstecher zu einem Pilzgebiet sieht Irena ganz nah vier Gemsen. Anscheinend haben sie sich daran gewöhnt dass hier immer wieder Spaziergänger vorbeikommen und sie haben ihre Scheu weitgehend verloren.
Einige Wochen nach den violetten Kratzdisteln beginnen nun die rauen Gänsedisteln gelb zu blühen.
Auf der Hinfahrt hat es noch etwas geregnet. Jetzt drückt sogar etwas die Sonne durch die dunklen Wolken. Ein kalter Wind fährt uns in die Knochen.
Bei der Abfackelungsanlage über der ehemaligen Abfalldeponie haben die Bauarbeiten begonnen, die seit einigen Wochen ausgesteckt sind.
Der Herbststurm von gestern Abend hat viele Blätter, Äste und Zweige von den Bäumen gerissen.
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Beim Unterstand kommen wir mit einer Joggerin ins Gespräch. Sie ist neugierig, was wir in unserem gut gefüllten Pilzkorb haben: Semmelstoppelpilze und Totentrompeten. Sie sammelt auch gerne Pilze, beschränkt sich jedoch auf Morcheln, deren Saison aber im Mai gewesen ist. In den letzten Jahren finde sie hier aber nur noch selten Morcheln, weil die Standorte durch den starken Holzschlag weitgehend zerstört worden seien.
Gegen Ende unseres Umgangs beginnt es wieder zu regnen. Wir haben Glück gehabt.
Es ist feucht und kühl mit einer grauen Hochnebeldecke. Pilzwetter.
Der dichter gewordene Blätterteppich riecht intensiv nach Herbst, die Farben der Bäume haben sich intensiviert.
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Ein entgegen kommender Spaziergänger fragt uns, ob wir Gemsen gesehen hätten. In letzter Zeit habe er oft welche beobachtet, sie seien schon beinahe zutraulich geworden. Er will uns noch eine schöne Raupe zeigen, die er eben an den schützenden Waldstrassenrand gesetzt habe, aber sie ist bereits verschwunden.
Bei der Abfackelungsanlage haben die Bauarbeiten begonnen. Vor dem bestehenden Gebäude ist eine massive Betonplatte gegossen worden.
Wie wir uns auf den Weg machen, kommt uns ein Paar entgegen, sieht unseren Pilzkorb und meint, wir müssten uns keine Sorgen machen, der Wald sei voll von Pilzen.
Ein kleiner Haufen Teer bei der Baustelle sieht aus wie ein Modell der Baarburg, oben flach, steile Flanken.
Kollernde Steine am oberen Steilhang machen uns darauf aufmerksam, dass dort Gemsen queren.
Die Regenwürmer sind aktiv, der Waldboden ist übersät mit Erdhäufchen und -türmen.
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Auf einem Teppich von Sternmoos wächst ein leicht grösserer Stern — ein Fichtenschössling.
Das frisch gefallene Laub raschelt unter den Füssen.
Nach einigen Tagen Regen und Sturm scheint jetzt die Sonne aus blauem Himmel.
Der dicke Blätterteppich am Boden ist nass und glänzend. Die Sonne bringt das Gelb und Braun des Waldes zum Leuchten. Einige Buchen sind bereits kahl. Die Eschen und Linden verloren ihre Blätter zuerst, die Eichen warten noch zu.
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Die letzten Brombeeren sind nicht mehr reif geworden, statt schwarz sind sie nun rot wie reife Himbeeren.
Ein Herbststurm hat viele auch grosse Äste heruntergerissen.
Es hat immer noch viele Pilze, einige essbar, andere einfach nur schön.
Die Sonne drückt knapp durch einen dünnen Wolkenschleier. Der nasse Blätterteppich riecht intensiv nach Herbst.
Wie wir auf der Bank bei Luegisland einen Teehalt machen, kommt eine kleine Gruppe von Leuten vorbei und eine Frau mit einem Korb voll von Totentrompeten grüsst uns und stellt sich als Beata vor. Wie oft bin ich schwer von Begriff und merke erst mit Verzögerung, dass es sich um die Frau handelt, mit der ich schon korrespondiert habe und von der ich am 14. September im Geocache-Logbuch einen Eintrag gefunden habe über ihre Freude, dass auf der Baarburg Uhus leben.
Eine junge Frau in ihrer Begleitung sagt, sie sei Primarlehrerin in Baar und habe meine Baarburg-Notizen schon im Unterricht benutzt. Die Kinder sähen so, was für eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren es ganz in der Nähe zu entdecken gebe.
Ich freue mich sehr.
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Es ist grau bewölkt und kühl.
Die roten Beeren der Stechpalme leuchten aus dem dunklen Wald.
Ein glänzend schwarzer Tausendfüssler hat sich um seine Beute gerollt.
Ein schwarzer Mistkäfer ist unterwegs.
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Blüten sieht man nun fast keine mehr. Eine Ausnahme sind die winzigen Blümchen des Behaarten Knopfkrauts.
Das Behaarte Knopfkraut, oft als Aussenseiterin in der Pflanzenwelt angesehenem zeigt bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Ohne Pracht oder süsse Düfte glänzt dieses einjährige Unkraut unter schwierigen Bedingungen. In der Lage, innerhalb von nur 6-7 Wochen zu blühen und Samen zu setzen, kann es mehrere Nachkommen pro Jahr hervorbringen. Es ist eine anpassungsfähige Überlebenskünstlerin. (Picture This)
Es ist grau und kühl. Nach einer sonnigen Woche ist der dicke Blätterteppich trocken
geworden und raschelt laut unter unseren Füssen.
Eine Armada von Nebelbänken stülpt sich nach und nach über das Bergplateau.
Ein weisser Baumpilz erinnert an die Skulptur der Venus von Willendorf aus der Altsteinzeit.
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Auf einem Baumstumpf neben dem Weg liegt ein Paar Arbeitshandschuhe.
Wie wir zurück zum Parkplatz gehen, sehen wir am steilen Wiesenhang gegen Neuheim hinauf einige Gemsen äsen.
Nach einer Frostnacht ist die dünne Schneeschicht harsch gefroren. Die Sonne drückt schwach durch einen Wolkenschleier.
Die Teiche beim Waldeingang sind zugefroren.
Die Spuren von Füchsen und Dachsen im Schnee sind bereits verwittert.
Dort, wo vor einigen Wochen Sondierbohrungen gemacht wurden, ist ist ein Kubus ausgesteckt.
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Wie wir auf dem schmalen Pfad durchs Unterholz gehen, rutscht uns ab und zu ein kleines Fuder Schnee in den Mantelkragen.
Nach einer Pause wegen eines Spitalaufenthalts sind wir wieder auf der Baarburg unterwegs. Nach dem anhaltenden Regen gestern und letzte Nacht ist der steile Aufstieg zum Bergplateau sehr rutschig.
Der Himmel ist blau und es ist für diese Jahreszeit sehr warm.
Es tropft noch von den Bäumen.
Vor uns quert eine Gemse den Pfad und verschwindet den Steilhang hinunter.
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Auf der Spitze einer hohen Tanne sitzt eine Singdrossel.
An den Stamm einer Eibe ist eine Blechplakette mit einem Fadenkreuz geschraubt. Da sich die Plakette schräg gegenüber dem frisch ausgesteckten Kubus befindet, könnte es ein Vermessungspunkt sein.
Da unser Auto in der Werkstatt ist, sind wir heute zum ersten Mal mit Bahn und Bus von Luzern angereist. Das funktioniert erstaunlich gut und dauert erstaunlicherweise nicht wesentlich länger als mit dem Auto.
Der Aufstieg vom Tal ist steil und weiter als vom Baarburgrank aus.
Die Baarburg steckt im Nebel, der an den Bäumen kondensiert und auf den Boden tropft.
Der Nebel schluckt den Verkehrslärm vom Tal und da wir auch keinen Vogel hören, ist es gespenstisch still.
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Obwohl es vor zwei Wochen einige Frostnächte gab, wachsen hier immer noch Pilze.
An einer der neu gepflanzten Eichen hängen einige grosse braune Galläpfel, aus denen im nächsten Sommer Eichengallwespen schlüpfen werden.
Es ist kalt und neblig.
Auf dem schmalen Pfad durch den Wald hat es heute viele Dachsspuren. An manchen Orten ist das Laub weggescharrt und einmal hat der Dachs sogar ein kleines Loch gegraben.
Einmal drückt kurz eine blasse Sonnenscheibe durch den Nebel.
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Als Reaktion auf das Bilde des jungen Uhus, das ich Ende Juni auf der Baarburg machte, hat mir Beata B., die ich letzthin hier zum ersten Mal getroffen habe, als Festtagsgruss das Bild einer von ihr gefilzten Eule geschickt.
Auf dem Teich beim Waldeingang hat es eine dünne Eisschicht. Das Schilf ist bis auf einen kleinen Rest geschnitten.
Mit Hochnebel und Bise ist es heute sehr kalt. Wie wir das Bergplateau erreichen, hat es auf den Wipfeln der höchsten Bäume noch Raureif, der aber bald verschwindet und als Graupelkörner am Boden liegt.
Ein Dachs hat wieder an vielen Orten den Waldboden von Blättern freigescharrt. Eigentlich hält der Dachs in der Schweiz Winterruhe. Da aber seine Spuren im Winter besonders gut erkennbar sind, weiss ich, dass die Dachse auf der Baarburg seit Jahren auch im Winter jede Nacht unterwegs sind, wohl als Folge der Klimaerwärmung.
Am Fuss eines abgestorbenen schmalen Ahorns liegt ein Knäuel Holzwolle. Ein Tier, wahrscheinlich ein Vogel, hat hoch oben am Stamm den Bast unter der Rinde weggerissen und fallen gelassen.
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